Hinter den Kulissen
Hinter den Kulissen

Pino (Name geändert)

Hinter den Kulissen fließen Tränen – Über die prekären Arbeitsbedingungen im Club und Eventbetrieb

Der Arbeitsalltag war von einer stark unstrukturierten Arbeitsweise geprägt. Klare Aufgaben, Zuständigkeiten oder Zielsetzungen gab es kaum. Stattdessen wurde mir wiederholt gesagt, ich solle mir meine Aufgaben selbst suchen. Auf den ersten Blick klang das nach Vertrauen und Gestaltungsfreiheit, in der Praxis bedeutete es jedoch Orientierungslosigkeit und fehlende Führung.

Um dennoch produktiv zu sein, entwickelte ich eigenständig zahlreiche Konzepte, Ideen und Vorschläge. Ich investierte viel Zeit und Energie in inhaltliche Ausarbeitungen, Strategien und neue Ansätze, um meinen Beitrag sichtbar zu machen. Diese Eigeninitiative wurde jedoch nicht aufgegriffen. Im Gegenteil: Meine Konzepte wurden stetig abgelehnt – oft ohne inhaltliche Begründung und ohne bessere Gegenvorschläge. Ein konstruktiver Austausch fand nicht statt.

Parallel dazu war es nahezu unmöglich, einen umfassenden Einblick in laufende Projekte zu erhalten oder aktiv an ihnen mitzuwirken. Mein Kollege, der eigentlich auf Augenhöhe mit mir arbeiten sollte, hatte ein massives Problem damit, Aufgaben abzugeben. Obwohl ausreichend Arbeit vorhanden war, wurde Verantwortung nicht sinnvoll delegiert. Wichtige Informationen wurden zurückgehalten, wodurch Mitarbeitende oft nicht wussten, wie Veranstaltungsabläufe funktionierten oder was konkret von ihnen erwartet wurde. In vielen Situationen musste immer wieder derselbe Kollege hinzugezogen werden.

Für mich fühlte es sich so an, als sei es ihm wichtig, gebraucht zu werden und sich in der Rolle des „allwissenden Chefs“ zu positionieren. Kontrolle ersetzte Zusammenarbeit. To-dos gingen verloren, Prozesse stockten, und Arbeit wurde teilweise schlecht oder unvollständig erledigt – nicht aus mangelnder Kompetenz, sondern aufgrund fehlender Struktur und fehlender Bereitschaft, Verantwortung zu teilen.

Das vielzitierte Arbeiten auf Augenhöhe entpuppte sich zunehmend als leere Floskel. Statt echter Kollaboration begegnete ich fragilen Männer-Egos, die neue Perspektiven oder Kritik nicht zuließen. Vorschläge wurden reflexartig abgewehrt und nicht weitergedacht. Kreativität wurde nach außen kommuniziert, intern jedoch systematisch blockiert.

Für mich entstand der Eindruck, dass kein echtes Interesse an gemeinsamer Teamarbeit bestand, sondern dass Arbeitsprozesse von Konkurrenzdenken geprägt waren. Es fühlte sich an, als würde nicht miteinander gearbeitet, sondern gegeneinander – mit dem Ziel, sich selbst besser zu positionieren.

Die Kommunikation war insgesamt schlecht. Wichtige Informationen fehlten, Feedback war selten konstruktiv und oft herablassend. Trotz meines Engagements und der eigenständig erarbeiteten Konzepte wurde mir aus dem Nichts gekündigt – mit der Begründung, ich hätte zu wenig hervorgebracht. Diese Kündigung kam überraschend und wirkte wie eine Umdeutung der Realität: Eigeninitiative wurde ignoriert, strukturelle Versäumnisse individualisiert. Für mich wurde deutlich, dass hier nicht Leistung oder Qualität bewertet wurden, sondern Anpassung und Machterhalt. Besonders als FLINTA*-Person ist es schmerzhaft, in vermeintlich progressiven Räumen immer wieder patriarchale Muster zu erleben – subtil, aber wirkungsvoll. Diese Erfahrungen sind kein Einzelfall. Unklare Aufgaben, fehlende Führung und die Abwertung von Eigeninitiative führen zu Frust, Selbstzweifeln und letztlich Ausschluss. So entstehen Erschöpfung und Resignation.