Hinter den Kulissen fließen
Hinter den Kulissen fließen

Gialu (Name geändert)

Hinter den Kulissen fließen Tränen – Über die prekären Arbeitsbedingungen im Club und Eventbetrieb

Meine Stelle war offiziell als 20-Stunden-Job ausgeschrieben und angemeldet. In der Realität hatte das mit meinem tatsächlichen Arbeitspensum kaum etwas zu tun. Ich war teilweise sieben Tage die Woche erreichbar, ständig auf Abruf, immer mit dem Gefühl, reagieren zu müssen. Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit existierten kaum. Wochen mit 50 bis 60 Arbeitsstunden waren keine Ausnahme, sondern kamen regelmäßig vor – ohne entsprechende Vergütung oder Ausgleich.

Die Bezahlung stand in keinem Verhältnis zu der Verantwortung, dem Zeitaufwand und der emotionalen Belastung. Trotz der vielen Überstunden und der ständigen Verfügbarkeit blieb das Gehalt extrem niedrig. Überstunden wurden nicht nur nicht bezahlt, sie wurden als selbstverständlich angesehen. Es herrschte die unausgesprochene Erwartung, dass man „für den Laden lebt“ – unabhängig von der eigenen Erschöpfung oder der finanziellen Realität.

Ein weiteres zentrales Problem war die fehlende Kommunikation. Zuständigkeiten waren unklar, Informationen gingen verloren oder wurden gar nicht erst weitergegeben. Entscheidungen wurden über die Köpfe der Mitarbeitenden hinweg getroffen. Das führte zu Unsicherheit und Stress im Arbeitsalltag. Oft hatte ich das Gefühl, für Fehler verantwortlich gemacht zu werden, obwohl mir wichtige Informationen gefehlt hatten.

Besonders belastend war, dass ich immer wieder zur Schuldigen gemacht wurde – auch für Bereiche und Probleme, die nichts mit meinem Aufgabenfeld zu tun hatten. Anstatt strukturelle Mängel zu benennen, wurde Verantwortung individualisiert. Diese dauerhafte Schuldzuweisung führte dazu, dass ich ständig an mir selbst gezweifelt habe, obwohl ich weit über meine eigentlichen Aufgaben hinaus gearbeitet habe. Wertschätzung habe ich kaum erfahren. Weder für die geleistete Arbeit noch für die emotionale Arbeit, die im Clubkontext ständig anfällt: organisieren, vermitteln, deeskalieren, mitdenken, Verantwortung übernehmen. All das wurde als selbstverständlich betrachtet. Ein Dankeschön, Anerkennung oder echtes Interesse am Wohlbefinden der Mitarbeitenden blieben aus.

Teilweise war die Kommunikation zudem respektlos. Der Ton war oft herablassend oder genervt, Kritik wurde hart geäußert, Lob fast nie. Für FLINTA*-Personen ist das besonders belastend, da viele von uns ohnehin gelernt haben, mehr auszuhalten, sich anzupassen und nicht aufzufallen, um ernst genommen zu werden.

Diese Arbeitsbedingungen hinterlassen Spuren: emotionale Erschöpfung, das Gefühl, nie genug zu sein, und eine Normalisierung von Selbstausbeutung. Darüber wird selten gesprochen, weil der Clubkontext romantisiert wird und Kritik schnell als Illoyalität gilt.

Ich teile meine Erfahrungen, weil sich etwas ändern muss. Clubs sollten nicht nur sichere Räume für Gäste sein, sondern auch für die Menschen, die dort arbeiten. Tränen hinter den Kulissen sind kein persönliches Scheitern – sie sind Ausdruck eines strukturellen Problems.