Hinter den Kulissen
Hinter den Kulissen

Charlie (Name geändert)

Hinter den Kulissen fließen Tränen – Über die prekären Arbeitsbedingungen im Club und Eventbetrieb

Ich (she/her) arbeitete projektbasiert als Managerin in einer Event-Location und war bei einzelnen Veranstaltungen alleinverantwortlich für den gesamten Betrieb, teils in 12–14-stündigen Nachtschichten. Die Event-Location ist strukturell stark desorganisiert. Es existieren weder schriftliche Ablaufpläne, noch klar dokumentierte Prozesse oder verbindliche Briefings für das Team.

Die Schichtübergabe, verlief kurzfristig, mündlich und chaotisch, sodass man sich eigens ein schriftliches Protokoll über den Veranstaltungsablauf anfertigen musste. Sachliche und umsetzbare Verbesserungs-vorschläge meinerseits und anderer Kolleginnen wurden nicht aufgegriffen, sondern systematisch abgewertet und als Ausdruck angeblicher Unsicherheit/Inkompetenz interpretiert.

Besonders gravierend ist das Verhalten eines cis-männlichen Managers in leitender Position. Dieser inszeniert seine Rolle kontinuierlich als außergewöhnlich schwierig und unersetzbar, reagiert jedoch auffällig defensiv bis abwertend auf strukturierte, kompetente Veränderungsvorschläge, insbesondere wenn diese von FLINTA*-Personen kommen. Kompetenz, Transparenz und Prozessklarheit werden nicht als Ressource, sondern als Bedrohung seiner Autorität wahrgenommen.

Mehrfach habe ich erlebt, dass dieser Manager hinter den Rücken seiner Kolleginnen falsche oder verzerrte Behauptungen über meine Arbeit gegenüber Teammitgliedern verbreitete. Gleichzeitig wurde mir eine „fehlende Sicherheit“ unterstellt, obwohl Rückfragen vor verantwortungsvollen Einsätzen professionell, notwendig und verantwortungsbewusst waren. Eine offene Fehler- oder Lernkultur existiert nicht; Nachfragen werden gezielt genutzt, um FLINTA*-Personen zu diskreditieren.

Auffällig ist, dass dieses Misstrauen, die Kontrolle und die Diffamierung ausschließlich mich und andere FLINTA*-Personen betrafen, nicht jedoch männliche Kollegen. Diese stellten keine Fragen, hinterfragten keine Abläufe und forderten keine strukturellen Verbesserungen ein. Trotz nachweislich guter Leistung und wiederholtem Lob durch das Team wurde mir dauerhaft Vertrauen verweigert.

Entscheidend ist: Ich war nicht die einzige betroffene Person. Auch andere FLINTA*-Personen in derselben Position machten vergleichbare Erfahrungen und wurden aus dem Unternehmen entfernt bzw. nicht weiter eingesetzt. In der Gesamtschau entsteht der klare Eindruck eines wiederkehrenden Musters: FLINTA-Personen, die Verantwortung übernehmen, Missstände benennen und professionelle Standards einfordern, werden systematisch abgewertet, isoliert und letztlich aus der Position gedrängt – mutmaßlich maßgeblich durch das Verhalten dieses Managers.

Insgesamt zeigt sich ein Arbeitsumfeld, in dem patriarchale Machtgefühle, persönliche Unsicherheiten auf Führungsebene und strukturelle Diskriminierung von FLINTA*-Personen integraler Bestandteil der gelebten Unternehmenskultur sind.