Hinter den Kulissen
Hinter den Kulissen

Ari (Name geändert)

Hinter den Kulissen fließen Tränen – Über die prekären Arbeitsbedingungen im Club und Eventbetrieb

Ich war die einzige junge Frau in einem fast ausschließlich männlichen Team. Dieses Ungleichgewicht war vom ersten Tag an spürbar. Sexistische Kommentare gehörten zum Alltag. Sie kamen oft beiläufig, als „Witz“ getarnt, manchmal offen herablassend. Mein Aussehen, mein Alter, meine vermeintliche Unerfahrenheit wurden kommentiert und bewertet. Wenn ich mich unwohl fühlte oder Grenzen aufzeigen wollte, wurde das als Überempfindlichkeit abgetan.

Inhaltlich war meine Arbeit stark durch einen Kollegen geprägt, dem es extrem schwerfiel, Aufgaben abzugeben. Er wollte nahezu alles selbst machen und behalten, insbesondere die sichtbaren und spannenden Teile der Arbeit. An mich wurden meist nur die „langweiligeren“ Aufgaben delegiert – etwa Angebote zu schreiben oder Vorarbeiten so weit aufzubereiten, dass er anschließend problemlos den kreativen und prestigeträchtigen Teil der Planung übernehmen konnte. Meine Arbeit diente häufig dazu, ihm den Rücken freizuhalten, ohne selbst Anerkennung oder Entwicklungsmöglichkeiten zu erhalten. Dabei hatte ich zunehmend das Gefühl, dass es weniger um Teamarbeit ging als um einen starken Geltungsdrang gegenüber unserem Vorgesetzten.

Besonders verstörend war der offene Kokainmissbrauch auf Führungsebene. Es war kein Gerücht, kein Verdacht, sondern etwas, das spürbar und sichtbar war. Stimmungs-schwankungen bestimmten den Arbeitsalltag. An einem Tag wurde gelacht und großspurig geredet, am nächsten herrschte aggressive Gereiztheit oder völlige Abwesenheit. Entscheidungen wirkten impulsiv, unberechenbar, teilweise irrational. Für Mitarbeitende bedeutete das permanente Unsicherheit.

Diese Stimmungsschwankungen hatten direkte Auswirkungen auf mich. Kritik kam plötzlich und unverhältnismäßig hart. Erwartungen änderten sich spontan, ohne Kommunikation. Was gestern noch richtig war, konnte heute falsch sein. Als junge Studentin begann ich, an mir selbst zu zweifeln, obwohl das Problem offensichtlich strukturell war.

Besonders belastend war die Machtlosigkeit. Ich hatte keine Ansprechpersonen, keine sicheren Räume, um das Erlebte zu benennen. In einem System, das nach außen für Ordnung, Fairness und Unterstützung steht, blieb intern vieles ungeregelt und unbeachtet. Das Schweigen wurde zur Strategie, um durchzuhalten.

Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie verletzlich junge FLINTA*-Personen in männlich dominierten Arbeitsumfeldern sind – besonders dann, wenn Machtmissbrauch, Sexismus und Substanzmissbrauch zusammentreffen.

Es geht nicht um Einzelfälle oder persönliche Befindlichkeiten, sondern um Strukturen, die solches Verhalten ermöglichen und schützen. Ich teile meine Geschichte, weil sie kein Ausnahmefall ist. Hinter der Fassade von Professionalität und Stabilität verbergen sich oft Arbeitsbedingungen, die verletzen und verunsichern. Darüber zu sprechen ist notwendig – damit junge Menschen nicht glauben, sie müssten all das einfach aushalten, um „dazuzugehören“.